Pfadfinder
Traditionen |
1.1 Der Pfadfindergruß
Gut Pfad ! |
Auf der ganzen Welt ist der Pfadfindergruß einheitlich. Die rechte Hand wird mit der Handfläche nach vorne bis in die Schulterhöhe gehoben. Der Daumen legt sich auf den gebeugten kleinen Finger - symbolische Geste für "der Starke/Große beschützt den Schwachen/Kleinen". Die drei gestreckten Finger erinnern an die drei Punkte des Pfadfinderversprechens (Gott und dem Vaterland dienen, jederzeit und allen Menschen zu helfen, dem Pfadfindergesetz zu gehorchen) . Pfadfinder auf der ganzen Welt reichen einander zum Gruß grundsätzlich die linke Hand. Zum einen ist dies vor allem in Afrikanischen Ländern schon seit langem Tradition gewesen, zum anderen spiegelt sich hier auch die brüderlich-friedliche Begrüßung zwischen den Rittern wieder (streckt man die linke Hand hervor, kann man kein Schild als Schutz mehr tragen - eine Geste der friedlichen Absicht). In fast allen europäischen Ländern spreizen sie dabei den kleinen Finger ab, wodurch ein zusätzlich verschränkter Händedruck entsteht. In einigen Bünden haben die Kids in der Wölflingsstufe / bei den Jungfuchsen einen anderen, aber vergleichbaren Gruß z.B. den Wolfskopf oder die gespreizten beiden Finger als "Fuchsohren". (z.T. Sippe Schwalbe, 1991; Walter Hansen, Das große Pfadfinderbuch; der kornett; heft 5, BDP Landmark Westfalen) |
1.2 Die Kluft & das Halstuch
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Warum
Kluft, das sieht doch so militaristisch aus ?!, ist eine der vielgeäußerten
Ansichten, wenn es um das Tragen von Kluften geht. Die Kluft ist äußerlich
gewiß eine Art Uniform, die uns Unseresgleichen sofort kenntlich macht.
Wer Kluft trägt ist fast sicher Bündischer oder Pfadfinder. Doch die
Kluft hat noch andere Aufgaben. Innerhalb der Gruppe und des Bundes gilt
sie als Zeichen der Solidargemeinschaft (einer für alle, alle für
einen), was sich in einem Bund auch in den Versprechen (vgl.Ordnung der
EJZ), die eine Hilfspflicht gegenüber allen "Graujacken"
beinhalten, zeigt. Aber mit dem Tragen unserer Kluft wollen wir auch
eine innere Haltung ausdrücken, nämlich das Streben zu Gruppe, Bund
und ihren Mitgliedern gegen alle Anfechtungen. Das Tragen drückt in
freier Selbstbestimmung Loyalität und Gemeinschaftsgefühl aus. Die
Kluft ist nicht nur ein praktisches Kleidungsstück, sondern Ausdruck
unserer bündischen Haltung. |
Kluft = Tracht ?
| In der Trachtenordnung
(in der
Bundesordnung unter Kapitel 8.3) ist im VCP von der sog. "Tracht"
die Rede. Bei uns im Stamm ist der Begriff "Kluft"
üblich. Auf der Klausurtagung am 4.11.01 hat der Stammesrat beim TOP
"Bezirksordnung" auf Initiative der Ranger/Rover dafür
ausgesprochen, auch weiterhin den Begriff "Kluft" im Stamm
Jadeburg als Standartbezeichnung für das "VCP-Hemd" (so
heißt es im F&F-Katalog) zu benutzen.
Hier nun ein paar Hintergrundinfos über die "Kluft" und die "Tracht", gemeint ist jedefalls das graue "VCP-Hemd", dass ihr in der Stämmeskämmerei/ im Stammesverkauf erhalten könnt... "Häufig wird die Tracht in unserer Umgangssprache auch als Kluft bezeichnet. Wenn man am falschen Ort zur falschen Zeit die Tracht als Kluft, oder das VCP Zeichen als Lilie bezeichnet, kann man die "tollsten" Diskussionen auslösen. Mit der Bezeichnung Lilie werden die Frauen im Verband vergessen. Das VCP Zeichen setzt sich nämlich aus der Lilie (WOSM) und dem Kleeblatt (WAGGGS) zusammen (im LR würden einige nun zurecht bemerken, dass noch etwas fehlt: zum VCP Zeichen gehört auch das "Kreuz" in der Mitte der Lilie... :-) ). Der Begriff "Kluft" stammt aus der alten CPD, bzw. wird der bündischen Szene zugeordnet. Darüber hinaus sollte die Bezeichnung "Tracht" zu einer breiten Akzeptanz im Verband führen, schließlich haben sich die drei Verbände (EMP,CPD und BCP) zum VCP zusammengeschlossen und nicht nur einer (CPD), wie es auch heute noch manchmal den Anschein hat. Der Begriff "Tracht" steht demnach für den modernen und dynamischen Pfadfinder/innen- Verband VCP, der Begriff "Kluft" steht eher für ein konservatives Bild von Pfadfinderei (im Kontext von Wölflingsarbeit etc. anzusiedeln). ..." (aus: "Die Kluft - äh ... Tracht :-)", die blätter, Ausschnitt aus dem Vorwort, VCP BZ OL; Henning Lampe) Da in vielen Bünden & Verbänden und vor allem in den älteren Bünden von der "Kluft" die Rede ist (in der Tradition der ersten Pfadfinder in Deutschland nach der Tradition von B.P.) wird hier im weiteren Text auch der Begriff "Kluft" benutzt, wer möchte kann sich ja an den entsprechenden Stellen die "Tracht" denken... [Bölzy] Die
Kluft... Internationale
Pfadfinderlager sind etwas tolles. Hier läuft Pfadfinderbewegung zur
Hochform auf. Pfadfinder aus aller Herren Länder tummeln sich auf engsten
Raum. Viele Kulturen mit ihren verschiedenen Sprachen und Traditionen
prallen aufeinander. Junge Menschen treffen sich, tauschen sich aus,
lernen einander kennen und schließen zu Hauf Freundschaften: Es ist ein
friedvolles Treffen der Völker, also ein Jamboree. Augenfällig tritt zu
Tage, was das Friedenspfadfindertum ausmacht: Es ist die Einheit in
Vielfalt! Denn obwohl ein jeder seine Sprache spricht, seine Tradition
hat, seine Bräuche pflegt und seine Kluft
trägt, gehören alle Pfadfinder ein und derselben
weltweiten Bruderschaft der Pfadfinder an. Da
scheint es eine innere Disziplin zu geben, die diese junge Menschen und
einige Junggebliebene dazubringt, einander so freundschaftlich, ja sogar brüderlich
zu begegnen. Uns fällt das vielleicht gar nicht mehr so stark auf,
denn für uns Pfadfinder ist das selbstverständlich: “Ein Pfadfinder
ist ein Freund zu allen und ein Bruder zu jedem anderem Pfadfinder.” Überhaupt:
Es ist dieses eine Idealbild, das uns das Pfadfindertum aufzeigt. Es
beseelt unsere Gemeinschaft und hebt sie von der Gemeinschaft einer jubelndende
Menge in irgendeinem Rock–Konzert ab. Die Gemeinschaft der Pfadfinder
bleibt bestehen, die der jolenden Fans zerfällt. Durch
das Tragen der Kluft bekennen wir unsere Zugehörigkeit zu dieser
Gemeinschaft.
Da es uns eine Ehre
ist, dieser Gemeinschaft anzugehören, sind
wir ein Stamm, der auf seine Kluft etwas hält. Und darum tragen wir
unsere Kluft ordentlich und mit einem gewissen Stolz, wenn uns andere dafür
auch belächeln wollen. In
der deutschsprachigen Übersetzung von Scouting for Boys ist zum “Tragen
der Kluft” zu lesen: “Infolge der Einheitlichkeit ist die Pfadfinderkluft ein Band der Brüderlichkeit
unter Jungen auf der ganzen Welt. Wer die Kluft ordentlich trägt,
macht der ganzen Pfadfinderbewegung Ehre. Es zeigt, dass der einzelne
Pfadfinder auf sich selbst und auf seinen Trupp etwas hält. Ein
schlampiger, unordentlich angezogener Pfadfinder dagegen vermindert in den
Augen der Öffentlichkeit das Ansehen der ganzen Bewegung.” Ja, das
trifft den Punkt. Doch leider, und darüber kann ich nicht hinwegsehen, fällt mir auf, daß die wenigsten Pfadfinder aus Deutschland, die ich bei internationalen Pfadfinderlagern gesehen habe, in ordentlicher Kluft unterwegs waren. Fast ein Jeder trägt die Kluft, wie es ihm gerade gefällt. Derzeit scheint wohl gerade eine Mischung aus Litfaßsäule und Lumpensammler in großer Mode zu sein. Schade! “Sauberkeit
der Kluft und Korrektheit im einzelnen mögen als eine kleine Sache
erscheinen, doch hat sie ihren Wert für die Entwicklung von Selbstachtung
und bedeutet ungeheuer viel für den Ruf
der Pfadfinderbewegung bei Außenstehenden, die danach urteilen, was
sie sehen.” Das schrieb Baden–Powell in “Aids to Scoutmastership”,
die “Hilfen für die Pfadfinderleiterschaft”. Merke:
„Wie Du kommst gegangen, so wirst Du empfangen!“, sagt das Sprichwort
so schön. Das heißt, daß wir das ein oder andere Mal einen Vorteil
davon haben werden, in ordentlicher Kluft unterwegs zu sein. Du sollst
jetzt aber nicht glauben, daß das der eigentliche Grund für eine
ordentliche und saubere Kluft ist. Nein, ich will damit nur andeuten, daß
der erste Eindruck oft maßgeblich für das
Bild der Pfadfinder in der Öffentlichkeit ist. Geben wir in
der Öffentlichkeit ein gutes Bild ab, so erhalten wir dafür quasi als
Lohn deren Wertschätzung und Aufmerksamkeit. Und wir bedürfen einer
gewissen Wertschätzung seitens der Öffentlichkeit, damit unsere
Pfadfinderbewegung weiter wachsen kann, blüht und gedeiht und die
Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit kann uns gute Dienste leisten, wenn wir
etwas in unserer Welt verändern wollen, um sie einst besser zu verlassen,
als wir sie vorgefunden haben. Manche
werden spätestens jetzt den Vergleich mit rechts– oder linksextremen
Gruppen wie der HJ oder der FDJ nicht scheuen. Die Kluft würde sie sehr
daran erinnern. Andere werden dagegen bemerken, daß durch das Tragen der
Kluft ihre “persönliche Individualität” nicht mehr zum Ausdruck
kommt. Da kann die Antwort nur lauten, daß der Pfadfinder letztlich nur
eines zum Ziel hat: Den Dienst an Gott und am Nächsten. Das sind wir
unserer Verpflichtung gegenüber uns, den Nächsten und Gott schuldig. Das
ist die Individualität der Pfadfinder und die Kluft drückt genau dies
aus! Und damit stehen wir im krassen Wiederspruch zu den rechts– und
linksextremen. Entscheide
Dich, wofür Du bist und trete dafür in Öffentlichkeit ein! So gesehen
ist Deine Kluft ein mutiges Bekenntnis Deiner Ideale. Baden–Powell
meinte schlicht: “Es kümmert mich nicht, ob ein Pfadfinder eine Kluft
trägt oder nicht, solange sein Herz seiner Arbeit gehört und er das
Pfadfindergesetz einhält. Tatsache ist aber, daß es kaum einen
Pfadfinder gibt, der keine Kluft trägt, wenn er sie sich leisten kann,
sie zu kaufen. Der Geist treibt ihn dazu.” Und
ist es denn wirklich eine so große Einschränkung für die einzelne Persönlichkeit,
die Kluft ordentlich zu tragen? Es wäre doch arm bestellt um jene Persönlichkeit,
die sich durch eine unordentliche, zerrissene Hose, Hemd aus der Hose hängend
und unnötigen Zierrat, wie zum Beispiel die Aufnäher von 10 anderen
Pfadfinderbünden und mindestens 20 Lagern, etc., darstellen muß. Wen
das Tragen einer ordentliche Kluft in seiner Persönlichkeit und
beziehungsweise im Ausdruck seiner Persönlichkeit so sehr einschränkt,
muß doch eine sehr schwache Persönlichkeit sein.
von:
Georg Flaig (gez : Georg Flaig, in: http://www.sanktansgar.de/pfa_kluf.htm ) Zum Halstuch... |
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Das Halstuch wird z.B. während einer traditionellen Versprechensfeier (VCP JB: Aufnahmefeier) zu später Stunde im Fackelschein i.d.R. auf der dritten Fahrt (Großfahrt zählt für drei Fahrten) verliehen. Das ist nicht nur irgend so ein Tuch, was da rumhängt, sondern das Halstuch dient weltweit als Erkennungszeichen für die weltweitgrößte Jugendbewegung - die Pfadfinder. |
| In
diesem Falle bedeutet es aber nicht nur, der der- oder diejenige in der weltweiten
Gemeinschaft der Pfadfinderinnen und
Pfadfinder aufgenommen wird, sondern auch konkret, daß sich die Meute
oder Sippe überlegt, den- oder diejenige in der jeweiligen kleinen
Gruppe aufzunehmen. Der Neuling hat sich bewährt, er hat an mehreren
Meuten- o. Sippenstunden teilgenommen, sich in der Gruppe eingelebt,
vielleicht schon kleine Aufgaben übernommen, anderen geholfen, ggf
einen Neuen mitgebraucht und an Fahrten und Lager teilgenommen. Mit dem Ablegen
des Versprechens (z.B. bei höheren Proben - wenn ein Stamm
z.B. ein Probensystem hat) oder mit der Halstuchvergabe
(vgl. Neulingsprobe bei Trupp Lohengrin - oder Aufnahme beim VCP JB) bekundet sowohl
der "Halstuchempfänger", sich nach den Regeln der
Pfadfinderinnen und Pfadfinder zu orientieren und sich produktiv in der
Gruppe einzubringen - und die Gruppe bekundet, ihn/sie im Kreise der
Meute oder Sippe aufzunehmen. Ein
Halstuch ist also ein Zeichen dafür, daß man in der Meute bzw. Sippe feierlich
aufgenommen worden ist. Wenn man aber mit dem Halstuch
schlampig umgeht, es im Dreck liegen läßt, es lumpig trägt, es gar
nicht trägt oder gar verliert (soll ja auf Wölflingsfahrten häufig
passieren), dann kann einem ein Halstuch vom Meutenführer oder Sippenführer
auch wieder abgenommen werden, denn dann beweißt er oder sie, daß er
oder sie noch nicht bereit war, in der Gruppe aufgenommen zu werden.
(dies war die Regelung bei der Meute Kaa im BdP-Stamm Parzival) Darüber hinaus ist das Halstuch wie die Kluft ein Aushängeschild der Meute / Sippe. Wir sind Pfadfinder, wir sollten uns nicht dafür schämen - dies in der Öffentlichkeit zu tragen. Im Gegenteil, ein Halstuch kann beim Förster, bei einem Bauer etc. während einer Wanderung immer Tür und Tor öffnen. Aber gerade auch deswegen sollte man sich dann auch entsprechend benehmen. Man repräsentiert in diesem Augenblick dann die Pfadfinderschaft - hinterläßt man einen schlechten Eindruck, hinterläßt man Müll oder kann sich nicht richtig benehmen (große Schieße bauen), dann läuft man ganz schnell Gefahr, das dieses Verhalten bei Dritten Pfadfindern gegenüber verallgemeinert wird. Die nächste Sippe oder Meute, die nach Wasser, Schlafplatz oder den Weg fragen wird - wird sich dann "bedanken", wenn ihnen wegen einem Fehlverhalten einer vorherigen Wandergruppe die Hilfe verwehrt wird... (Bölzy, Meutenführer Meute Kaa, 1997)
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