Pfadfinder Traditionen

Pfadfindergeschichte

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Traditionen

 

·         1.1 Der Pfadfindergruß

·         1.2 Die Kluft & das Halstuch

·         1.3 Die Lilie & das Kleeblatt

·         1.4 Der Wimpel & das Totemtier

·         1.5 Der Schlachtruf

·         1.6 Der Pfadfinderpfiff

·         2.1 Tischsprüche & Tischgebete

·         2.2 Morgen und Abendrunden

·         2.3 Texte zum nachdenken

·         3.1 Logbuch & AB-Päckchen

·         4.1 Sippentraditionen und weitere Traditionen...

 

weitere Infos:

Was ist bündisch?

Regeln & Versprechen      Regeln & Versprechen vom Stamm Jadeburg

Geschichte der Kothe

Die Sippe (Text) - Textesammlung - Lichtspur - Das "C" im VCP

Start-Menü - Die Pfadfinder-CD... zur Pfadfinder-Geschichte

1.1 Der Pfadfindergruß

Gut Pfad !

Auf der ganzen Welt ist der Pfadfindergruß einheitlich. Die rechte Hand wird mit der Handfläche nach vorne bis in die Schulterhöhe gehoben. Der Daumen legt sich auf den gebeugten kleinen Finger - symbolische Geste für "der Starke/Große beschützt den Schwachen/Kleinen". Die drei gestreckten Finger erinnern an die drei Punkte des Pfadfinderversprechens (Gott und dem Vaterland dienen, jederzeit und allen Menschen zu helfen, dem Pfadfindergesetz zu gehorchen) .

Pfadfinder auf der ganzen Welt reichen einander zum Gruß grundsätzlich die linke Hand. Zum einen ist dies vor allem in Afrikanischen Ländern schon seit langem Tradition gewesen, zum anderen spiegelt sich hier auch die brüderlich-friedliche Begrüßung zwischen den Rittern wieder (streckt man die linke Hand hervor, kann man kein Schild als Schutz mehr tragen - eine Geste der friedlichen Absicht). In fast allen europäischen Ländern spreizen sie dabei den kleinen Finger ab, wodurch ein zusätzlich verschränkter Händedruck entsteht. In einigen Bünden haben die Kids in der Wölflingsstufe / bei den Jungfuchsen einen anderen, aber vergleichbaren Gruß z.B. den Wolfskopf oder die gespreizten beiden Finger als "Fuchsohren".     

   (z.T. Sippe Schwalbe, 1991; Walter Hansen, Das große Pfadfinderbuch; der kornett; heft 5, BDP Landmark Westfalen)

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1.2 Die Kluft & das Halstuch

 

Warum Kluft, das sieht doch so militaristisch aus ?!, ist eine der vielgeäußerten Ansichten, wenn es um das Tragen von Kluften geht. Die Kluft ist äußerlich gewiß eine Art Uniform, die uns Unseresgleichen sofort kenntlich macht. Wer Kluft trägt ist fast sicher Bündischer oder Pfadfinder. Doch die Kluft hat noch andere Aufgaben. Innerhalb der Gruppe und des Bundes gilt sie als Zeichen der Solidargemeinschaft (einer für alle, alle für einen), was sich in einem Bund auch in den Versprechen (vgl.Ordnung der EJZ), die eine Hilfspflicht gegenüber allen "Graujacken" beinhalten, zeigt. Aber mit dem Tragen unserer Kluft wollen wir auch eine innere Haltung ausdrücken, nämlich das Streben zu Gruppe, Bund und ihren Mitgliedern gegen alle Anfechtungen. Das Tragen drückt in freier Selbstbestimmung Loyalität und Gemeinschaftsgefühl aus. Die Kluft ist nicht nur ein praktisches Kleidungsstück, sondern Ausdruck unserer bündischen Haltung.

(Aus: Thomas Krapf , Jugendschaftsleiter a.D., Evangelische Jugendschaft Sandhausen)

 

Kluft = Tracht ?

 

In der Trachtenordnung (in der Bundesordnung unter Kapitel 8.3) ist im VCP von der sog. "Tracht" die Rede. Bei uns im Stamm ist der Begriff "Kluft" üblich. Auf der Klausurtagung am 4.11.01 hat der Stammesrat beim TOP "Bezirksordnung" auf Initiative der Ranger/Rover dafür ausgesprochen, auch weiterhin den Begriff "Kluft" im Stamm Jadeburg als Standartbezeichnung für das "VCP-Hemd" (so heißt es im F&F-Katalog) zu benutzen.

Hier nun ein paar Hintergrundinfos über die "Kluft" und die "Tracht", gemeint ist jedefalls das graue "VCP-Hemd", dass ihr in der Stämmeskämmerei/ im Stammesverkauf erhalten könnt...

"Häufig wird die Tracht in unserer Umgangssprache auch als Kluft bezeichnet. Wenn man am falschen Ort zur falschen Zeit die Tracht als Kluft, oder das VCP Zeichen als Lilie bezeichnet, kann man die "tollsten" Diskussionen auslösen. Mit der Bezeichnung Lilie werden die Frauen im Verband vergessen. Das VCP Zeichen setzt sich nämlich aus der Lilie (WOSM) und dem Kleeblatt (WAGGGS) zusammen (im LR würden einige nun zurecht bemerken, dass noch etwas fehlt: zum VCP Zeichen gehört auch das "Kreuz" in der Mitte der Lilie...  :-)  ). Der Begriff "Kluft" stammt aus der alten CPD, bzw. wird der bündischen Szene zugeordnet. Darüber hinaus sollte die Bezeichnung "Tracht" zu einer breiten Akzeptanz im Verband führen, schließlich haben sich die drei Verbände (EMP,CPD und BCP) zum VCP zusammengeschlossen und nicht nur einer (CPD), wie es auch heute noch manchmal den Anschein hat.

Der Begriff "Tracht" steht demnach für den modernen und dynamischen Pfadfinder/innen- Verband VCP, der Begriff "Kluft" steht eher für ein konservatives Bild von Pfadfinderei (im Kontext von Wölflingsarbeit etc. anzusiedeln). ..."

(aus: "Die Kluft - äh ... Tracht :-)", die blätter, Ausschnitt aus dem Vorwort, VCP BZ OL; Henning Lampe)

Da in vielen Bünden & Verbänden und vor allem in den älteren Bünden von der "Kluft" die Rede ist (in der Tradition der ersten Pfadfinder in Deutschland nach der Tradition von B.P.) wird hier im weiteren Text auch der Begriff "Kluft" benutzt, wer möchte kann sich ja an den entsprechenden Stellen die "Tracht" denken...

[Bölzy]

Die Kluft...

 

Internationale Pfadfinderlager sind etwas tolles. Hier läuft Pfadfinderbewegung zur Hochform auf. Pfadfinder aus aller Herren Länder tummeln sich auf engsten Raum. Viele Kulturen mit ihren verschiedenen Sprachen und Traditionen prallen aufeinander. Junge Menschen treffen sich, tauschen sich aus, lernen einander kennen und schließen zu Hauf Freundschaften: Es ist ein friedvolles Treffen der Völker, also ein Jamboree. Augenfällig tritt zu Tage, was das Friedenspfadfindertum ausmacht: Es ist die Einheit in Vielfalt! Denn obwohl ein jeder seine Sprache spricht, seine Tradition hat, seine Bräuche pflegt und seine Kluft trägt, gehören alle Pfadfinder ein und derselben weltweiten Bruderschaft der Pfadfinder an.

 

Da scheint es eine innere Disziplin zu geben, die diese junge Menschen und einige Junggebliebene dazubringt, einander so freundschaftlich, ja sogar brüderlich zu begegnen. Uns fällt das vielleicht gar nicht mehr so stark auf, denn für uns Pfadfinder ist das selbstverständlich: “Ein Pfadfinder ist ein Freund zu allen und ein Bruder zu jedem anderem Pfadfinder.” Überhaupt: Es ist dieses eine Idealbild, das uns das Pfadfindertum aufzeigt. Es beseelt unsere Gemeinschaft und hebt sie von der Gemeinschaft einer jubelndende Menge in irgendeinem Rock–Konzert ab. Die Gemeinschaft der Pfadfinder bleibt bestehen, die der jolenden Fans zerfällt.

 

Durch das Tragen der Kluft bekennen wir unsere Zugehörigkeit zu dieser Gemeinschaft. Da es uns eine Ehre ist, dieser Gemeinschaft anzugehören, sind wir ein Stamm, der auf seine Kluft etwas hält. Und darum tragen wir unsere Kluft ordentlich und mit einem gewissen Stolz, wenn uns andere dafür auch belächeln wollen.

 

In der deutschsprachigen Übersetzung von Scouting for Boys ist zum “Tragen der Kluft” zu lesen: “Infolge der Einheitlichkeit ist die Pfadfinderkluft ein Band der Brüderlichkeit unter Jungen auf der ganzen Welt. Wer die Kluft ordentlich trägt, macht der ganzen Pfadfinderbewegung Ehre. Es zeigt, dass der einzelne Pfadfinder auf sich selbst und auf seinen Trupp etwas hält. Ein schlampiger, unordentlich angezogener Pfadfinder dagegen vermindert in den Augen der Öffentlichkeit das Ansehen der ganzen Bewegung.” Ja, das trifft den Punkt.

 

Doch leider, und darüber kann ich nicht hinwegsehen, fällt mir auf, daß die wenigsten Pfadfinder aus Deutschland, die ich bei internationalen Pfadfinderlagern gesehen habe, in ordentlicher Kluft unterwegs waren. Fast ein Jeder trägt die Kluft, wie es ihm gerade gefällt. Derzeit scheint wohl gerade eine Mischung aus Litfaßsäule und Lumpensammler in großer Mode zu sein. Schade!

  

Sauberkeit der Kluft und Korrektheit im einzelnen mögen als eine kleine Sache erscheinen, doch hat sie ihren Wert für die Entwicklung von Selbstachtung und bedeutet ungeheuer viel für den Ruf der Pfadfinderbewegung bei Außenstehenden, die danach urteilen, was sie sehen.” Das schrieb Baden–Powell in “Aids to Scoutmastership”, die “Hilfen für die Pfadfinderleiterschaft”.

 

Merke: „Wie Du kommst gegangen, so wirst Du empfangen!“, sagt das Sprichwort so schön. Das heißt, daß wir das ein oder andere Mal einen Vorteil davon haben werden, in ordentlicher Kluft unterwegs zu sein. Du sollst jetzt aber nicht glauben, daß das der eigentliche Grund für eine ordentliche und saubere Kluft ist. Nein, ich will damit nur andeuten, daß der erste Eindruck oft maßgeblich für das Bild der Pfadfinder in der Öffentlichkeit ist. Geben wir in der Öffentlichkeit ein gutes Bild ab, so erhalten wir dafür quasi als Lohn deren Wertschätzung und Aufmerksamkeit. Und wir bedürfen einer gewissen Wertschätzung seitens der Öffentlichkeit, damit unsere Pfadfinderbewegung weiter wachsen kann, blüht und gedeiht und die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit kann uns gute Dienste leisten, wenn wir etwas in unserer Welt verändern wollen, um sie einst besser zu verlassen, als wir sie vorgefunden haben.

 

Manche werden spätestens jetzt den Vergleich mit rechts– oder linksextremen Gruppen wie der HJ oder der FDJ nicht scheuen. Die Kluft würde sie sehr daran erinnern. Andere werden dagegen bemerken, daß durch das Tragen der Kluft ihre “persönliche Individualität” nicht mehr zum Ausdruck kommt. Da kann die Antwort nur lauten, daß der Pfadfinder letztlich nur eines zum Ziel hat: Den Dienst an Gott und am Nächsten. Das sind wir unserer Verpflichtung gegenüber uns, den Nächsten und Gott schuldig. Das ist die Individualität der Pfadfinder und die Kluft drückt genau dies aus! Und damit stehen wir im krassen Wiederspruch zu den rechts– und linksextremen.

Entscheide Dich, wofür Du bist und trete dafür in Öffentlichkeit ein! So gesehen ist Deine Kluft ein mutiges Bekenntnis Deiner Ideale.

 

Baden–Powell meinte schlicht: “Es kümmert mich nicht, ob ein Pfadfinder eine Kluft trägt oder nicht, solange sein Herz seiner Arbeit gehört und er das Pfadfindergesetz einhält. Tatsache ist aber, daß es kaum einen Pfadfinder gibt, der keine Kluft trägt, wenn er sie sich leisten kann, sie zu kaufen. Der Geist treibt ihn dazu.”

 

Und ist es denn wirklich eine so große Einschränkung für die einzelne Persönlichkeit, die Kluft ordentlich zu tragen? Es wäre doch arm bestellt um jene Persönlichkeit, die sich durch eine unordentliche, zerrissene Hose, Hemd aus der Hose hängend und unnötigen Zierrat, wie zum Beispiel die Aufnäher von 10 anderen Pfadfinderbünden und mindestens 20 Lagern, etc., darstellen muß.

 

Wen das Tragen einer ordentliche Kluft in seiner Persönlichkeit und beziehungsweise im Ausdruck seiner Persönlichkeit so sehr einschränkt, muß doch eine sehr schwache Persönlichkeit sein. 

 von: Georg Flaig

                              (gez : Georg Flaig, in: http://www.sanktansgar.de/pfa_kluf.htm )

Zum Halstuch...

 

Wölflingshalstuch vom BdP... Das Halstuch wird z.B. während einer traditionellen Versprechensfeier (VCP JB: Aufnahmefeier) zu später Stunde im Fackelschein i.d.R. auf der dritten Fahrt (Großfahrt zählt für drei Fahrten) verliehen. Das ist nicht nur irgend so ein Tuch, was da rumhängt, sondern das Halstuch dient weltweit als Erkennungszeichen für die weltweitgrößte Jugendbewegung - die Pfadfinder.
In diesem Falle bedeutet es aber nicht nur, der der- oder diejenige in der weltweiten Gemeinschaft der Pfadfinderinnen und Pfadfinder aufgenommen wird, sondern auch konkret, daß sich die Meute oder Sippe überlegt, den- oder diejenige in der jeweiligen kleinen Gruppe aufzunehmen. Der Neuling hat sich bewährt, er hat an mehreren Meuten- o. Sippenstunden teilgenommen, sich in der Gruppe eingelebt, vielleicht schon kleine Aufgaben übernommen, anderen geholfen, ggf einen Neuen mitgebraucht und an Fahrten und Lager teilgenommen. Mit dem Ablegen des Versprechens (z.B. bei höheren Proben - wenn ein Stamm z.B. ein Probensystem hat) oder mit der Halstuchvergabe (vgl. Neulingsprobe bei Trupp Lohengrin - oder Aufnahme beim VCP JB) bekundet sowohl der "Halstuchempfänger", sich nach den Regeln der Pfadfinderinnen und Pfadfinder zu orientieren und sich produktiv in der Gruppe einzubringen - und die Gruppe bekundet, ihn/sie im Kreise der Meute oder Sippe aufzunehmen.

Ein Halstuch ist also ein Zeichen dafür, daß man in der Meute bzw. Sippe feierlich aufgenommen worden ist. Wenn man aber mit dem Halstuch schlampig umgeht, es im Dreck liegen läßt, es lumpig trägt, es gar nicht trägt oder gar verliert (soll ja auf Wölflingsfahrten häufig passieren), dann kann einem ein Halstuch vom Meutenführer oder Sippenführer auch wieder abgenommen werden, denn dann beweißt er oder sie, daß er oder sie noch nicht bereit war, in der Gruppe aufgenommen zu werden. (dies war die Regelung bei der Meute Kaa im BdP-Stamm Parzival)

Darüber hinaus ist das Halstuch wie die Kluft ein Aushängeschild der Meute / Sippe. Wir sind Pfadfinder, wir sollten uns nicht dafür schämen - dies in der Öffentlichkeit zu tragen. Im Gegenteil, ein Halstuch kann beim Förster, bei einem Bauer etc. während einer Wanderung immer Tür und Tor öffnen. Aber gerade auch deswegen sollte man sich dann auch entsprechend benehmen. Man repräsentiert in diesem Augenblick dann die Pfadfinderschaft - hinterläßt man einen schlechten Eindruck, hinterläßt man Müll oder kann sich nicht richtig benehmen (große Schieße bauen), dann läuft man ganz schnell Gefahr, das dieses Verhalten bei Dritten Pfadfindern gegenüber verallgemeinert wird. Die nächste Sippe oder Meute, die nach Wasser, Schlafplatz oder den Weg fragen wird - wird sich dann "bedanken", wenn ihnen wegen einem Fehlverhalten einer vorherigen Wandergruppe die Hilfe verwehrt wird...

(Bölzy, Meutenführer Meute Kaa, 1997)

 

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