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s kam der deutsche König Heinrich, der den Beinamen der
Vogler hatte, nach dem Lande Brabant und wollte hier Gerichtstag halten, denn
es war ihm zu Ohren gekommen, dass schwere Anklagen erhoben wurden gegen die
junge Herzogin im Lande, Elsa von Brabant.
o schlug der König am Ufer des Scheldeflusses seinen Sitz
auf und es versammelte sich Volk um ihm. Da gebot der Herold des Königs
Schweigen, und als es so still war, dass man eine Feder hätte zu Boden fallen
hören, erhob sich der König und sprach: Wer hier eine Klage vorzubringen hat,
der trete vor und rede ! Da trat ein brabantischer Edelmann mit Namen
Friedrich von Telramund vor den König und sprach: Ich klage die Herzogin von
Brabant des Brudermordes an ! Herr und König, unser Herzog ist, wie Ihr wißt,
vor einem halben Jahr gestorben. Er hinterließ zwei Kinder, die junge Elsa
und ihren Bruder Gottfried. Beide sollten zusammen das Herzogtum erben. Aber
eines Tages war Gottfried verschwunden und es ist gewiss, dass seine
Schwester ihn umgebracht hat, weil sie ihm die Hälfte des Landes missgönnte.
Ich fordere nun, dass sie als Mörderin verbrannt und das Herzogtum mir
zugesprochen wird, denn meine Frau Ortud ist des Herzogs nächste Verwandte.
it unbewegten Gesicht hatte der König die schweren
Anschuldigungen vernommen und so sprach er nun: Führt die Beklagte vor mich !
Da öffnete sich in der Menge eine Gasse und die schöne Elsa von Brabant
schritt langsam auf den König zu. In ihrer Holdseligkeit und ihrem weißen
Gewande, das sie trug, war sie ein Bild der Unschuld selbst. Auch der König
konnte nicht glauben, dass sie das Leben ihres Bruders auf dem Gewissen
hätte, aber hier war es sein Amt ein unehrbitterlicher Richter zu sein, und
so fragte er: Elsa, weißt du, welche Klage gegen dich erhoben wird? Ja, Herr,
antwortete sie. Und was hast du zu antworten, fragte der König weiter. Dass
ich unschuldig bin, sagte sie. Wo ist dein Bruder Gottfried, wünschte der
König zuwissen. Elsa wusste es nicht. Und so fragte der König nun: Wer hat
deinen Bruder zuletzt gesehen ? Ich, antwortete sie. Ich ging mit ihm am
Fluss spazieren, da wurde ich auf einmal so müde, dass ich mich ins Gras
setzte und einschlief. Als ich aufwachte, war mein geliebter Bruder fort.
er König wandte sich an den Grafen: Graf Telramund, seid
ihr bereit, Eure Anklage mit Eurem Leben zu erhärten ? Ja, mein König,
antwortete Friedrich. Und du Elsa, bist du bereit, deine Unschuld durch ein
Gottesgericht zu beweisen? Elsa stimme zu: Ja, mein König !
a gab der König seinem Herold ein Zeichen, und der stieß
in sein mächtiges Heerhorn, dass es weit über das Land schallte und rief mit
lauter Stimme: Wer für die Unschuld Elsas von Brabant gegen den Grafen
Telramund vor Gott und dem König kämpfen mag, der trete vor ! Tausende hatten
den Ruf des Herolds gehört, aber keiner rührte sich und als die
vorgeschriebene Zeit abgelaufen war, blies er das zweite Mal und rief: Wer
für die Unschuld Elsas von Brabant gegen den Grafen Telramund vor Gott und
dem König kämpfen mag, der trete vor ! Wieder hatten alle den Ruf gehört,
doch rührte sich niemand und jeder wusste, wenn der Herold jetzt zum dritten
Male rufen würde und sich kein Kämpfer für Elsas Unschuld gefunden hätten, so
galt sie für alle Welt für schuldig und würde morgen vom König dem Henker
übergeben werden. Jetzt hob der Herold sein Horn, blies und rief zum letzten
Mal: Wer für die Unschuld Elsas von Brabant gegen den Grafen Telramund vor
Gott und dem König kämpfen mag, der trete vor !
a geschah etwas Wundersames. Auf dem Strom kam ein Kahn
geschwommen, der an einer goldenen Kette von einem Schwan gezogen wurde. Im
Kahn stand hochaufgerichtet ein herrlicher Ritter in schimmernder Rüstung.
Langsam schwamm das Tier dem Lande zu, der Ritter sprang an Land und der
Schwan entfernte sich mit dem Boot und verschwand in der Ferne. Mit größter
Verwunderung hatten alle dieses seltsame Schauspiel beobachtet und hielten
den Atem an als der Ritter vor den König trat und sprach: Herr und König, ich
komme um mit meinem Schwert für die Unschuld Elsas von Brabant zu kämpfen.
arauf hin ordnete der König an, dass sofort ein Zweikampf
abgehalten werden sollte, und es traten Edelleute hervor und maßen den
Kampfplatz ab. Sie weisen jedem Kämpfer seinen Platz zu und stellten sich
auf, um darauf zu achten, dass alles nach Fug und Recht abliefe. Dann riefen
Graf Telramund und der fremde Ritter Gott als ihren ewigen Zeugen der
Wahrheit an und der König gab das Zeichen, dass der Kampf beginne. Nun wusste
jeder in Brabant, dass Graf Telramund ein kühner und starker Fechter und mit
allen seinen Gegnern fertig geworden war, und als er sofort mit wilden
Schlägen auf seinen Gegner eindrang, da gab niemand viel für dessen Leben.
Der fremde Ritter kämpfte wachsam und besonnen und seine Kraft schien mit
jedem Schlag zu wachsen. Graf Telramunds Arm aber erlahmte und plötzlich
schlug der fremde Ritter so erbarmungslos zu, dass sein Gegner zusammenbrach.
Da setzte ihm der Gegner die Schwertspitze an die Kehle und sprach: Dein
Leben ist in meiner Hand - ich aber schenke es dir, denn es ist nicht mehr
lebenswert !
a stieß der Herold in sein Heerhorn und der König sprach:
Graf von Telramund, wegen falscher Anklage schlag ich dich in Acht und Bann.
Deine Grafschaft fällt an Elsa von Brabant, dich aber erkläre ich für
vogelfrei. Weh dem, der die zu Essen und zu Trinken reicht oder dich in
seinem Haus aufnimmt. Es steht jedem frei dich zu erschlagen, wie einen Hund
! Für unschuldig erkläre ich Elsa von Brabant und wer sich gegen ihre Ehre
vergeht, dem wird vom Henker die Zunge herausgeschnitten !
ie schöne Elsa aber trat vor den fremden Ritter und
sprach: Wie soll ich Euch danken Herr, für das was ihr für mich getan habt ?
Um Dank werbe ich nicht, antwortete dieser, doch um Eure Liebe ! Wollte ihr
mir Eure Hand reichen, so will ich Euch mein Leben lang lieben und schützen !
Da sank Elsa an seine Brust, denn einen herrlicheren Gemahl konnte sie sich
nicht wünschen. Der Ritter aber sprach zu ihr: Elsa, du musst mit eins
versprechen, niemals darfst du mich nach meinem Namen, noch nach meiner
Herkunft fragen. Fragst du mich doch, so ist unser Glück noch in der selben
Stunde dahin; fragst du mich nicht, so sind wir glücklich bis an unser
Lebensende ! Elsa sah ihm in die Augen, sah die Reinheit seiner edlen Züge
und sprach: Nie wird mir die Frage über die Lippen kommen ! Da küsste er sie
und unter großem Jubel feierten sie ihre Hochzeit, der auch der König
beiwohnte.
och während Friedrich ruhelos durch die Lande irrte, war
seine Frau Ortrud in der Stadt geblieben, denn sie wollte sich an Elsa
rächen, für die Schmach, die ihrem Mann widerfahren war. Sie sah aber, dass
Elsa und ihr Gemahl in ihrem Glück unangreifbar waren und das auch das Volk
sie liebte, und nur der konnte die beiden vernichten, dem es gelang, in Elsa
Zweifel an ihrem Gatten zu wecken. So hüllte sie sich eines Abends in einen
dunklen Schleier und schlich sich in den Park, von dem sie wusste, dass hier
die Herzogin das abends lustwandelte.
ls sie die junge Frau kommen sah, bat sie um Gehör. Als
Elsa zu wissen wünschte, wer sie sei, antwortete sie: Eine Unglückliche. So
rede, niemand soll unglücklich sein, wo ich so glücklich bin, forderte Elsa
die Frau auf. Da schlug Ortrud den Schleier auf und Elsa erkannte sie. Elsa,
sprach Ortrud, mein Mann hat dir übel mitgespielt; doch kann ich nicht
vergessen, dass du als kleines Kind auf meinem Schoß gesessen hast ! Auch ich
werde das nicht vergessen, antwortete Elsa. Ortrud mahnte: Sei nicht blind in
deinem Glück. Wie kannst du auf Dauer mit einem Mann glücklich sein, von dem
du nicht den Namen und seine Herkunft kennst. Ein böser Zauber umgarnt dich.
So rätselhaft wie dein Ritter erschienen ist, so wird er auch eines Tages
wieder verschwinden und dann bist du verlassen und elend. Elsa erwiderte:
Sorge dich nicht um mein Glück, Ortrud. Ich sehe ihm in die Augen und sehe,
dass sein Blick stark und rein ist. Ich nenne ihn Liebster oder mein Gemahl -
was kümmert es mich was er sonst für einen Namen trägt. Sie wandte sich von
Ortrud ab und ging rasch ins Haus. Ortrud aber war außer sich vor Wut, dass
ihr Anschlag so misslungen war und als Elsa am anderen Tage in den Dom gehen
wollte, trat sie auf Elsa zu und sprach laut, dass es jeder hören konnte:
Elsa, es ist wahr, dass mein Mann von Ort zu Ort hetzen muss, aber jeder
weiß, das er von edler Herkunft ist. Du aber weißt nicht wem du dich
geschenkt hast, es muss doch einen Grund geben, warum du ihn nicht nach
seinem Namen fragen darfst ! Voller Schrecken sahen alle auf Elsa, diese aber
sprach stolz in die menge: Für wen hat Gott sich in seinem Gericht
entschieden, für meinen Mann oder für den Grafen - und soll ich an dem
zweifeln, für den sich Gott entschieden hat ? Und sie schritt an Ortud vorbei
in den Dom, als sehe sie sie nicht.
ber Ortruds Worte waren wie Gift in Elsas Seele gedrungen
und eines Morgens sprach sie zu ihrem Mann: Ach wie schön es wäre, dich bei
deinem Namen zu nennen ! Elsa, sprach er, als ich dich das erstemal sah,
fragte ich dich da, ob du schuldig oder unschuldig bist ? Ich sah dein
Gesicht und vertraute dir. Kannst du mir nicht auch vertrauen ? Ich vertraue
dir, antwortete sie, aber auch die ärmste Frau in meinem Land weiß wer der
Mann ist, mit dem sie lebt. Deshalb frage ich dich: Wie ist dein Name, von wo
bist du gekommen ?
u hast unser Glück zerstört, aber du sollst Antwort
erhalten, zusammen mit allen Rittern deines Landes, sprach er. und sandte
Boten aus, die alle Vasallen und Ritter Brabants an den Hof riefen und als
alle um ihn und die Herzogin versammelt waren, stand er von seinem Thron auf
und sprach: Getreue, es tut mir leid um das, was ich euch sagen muss, aber
die Herzogin hat ihr Versprechen gebrochen und mich gefragt, wer ich bin -
und nun sollt ihr es alle hören und selbst entscheiden, ob ich mich meines
Namens schämen muss. Es war totenstill in dem Saal und Elsa war unendlich weh
zumute; was hätte sie nicht alles gegeben, wenn sie die Frage hätte
zurücknehmen können, - aber die Worte waren gesprochen und gehörten ihr nicht
mehr.
hr Gatte aber sprach: In einem fernen Land, in das keiner
von euch je einen Fuß setzen wird, liegt auf einem hohen Berg eine Burg, die
von den edelsten Rittern bewacht wird. Dort hüten sie den heiligen Gral, aus
Gottes Hand, der dem Reinen die Kraft gibt, im Namen des Höchsten dem
Verfolgten beizustehen und die Mächte des Bösen zu überwinden. So, wie aber
niemand die Gralsburg finden kann, der sie wissend sucht, so kann auch kein
Gralsritter dort bleiben, wo er erkannt ist. Du aber wolltest meinen Namen
wissen Elsa. So höre und hört ihr alle: Lohengrin ist mein Name, der
Gralskönig Parzival, von Arthurs Tafelrunde stammend, ist mein Vater und die
Königin Kondwiramur ist meine Mutter. Und nun, da ihr es wisst, hat unsere
Abschiedsstunde geschlagen.
a rannen Elsa bittere Tränen, auf dem Fluss aber sahen
alle wieder den Schwan nahen. der den Kahn zog, auf dem Lohengrin gekommen
war. Ohnmächtig sank Elsa zu Boden, als Lohengrin sie das letzte Mal küsste
und dann von ihr ging; schweigend begleiteten ihn die Ritter zum Ufer. Doch
da verwandelte sich vor ihren Augen der Schwan in Elsas verschwundenen Bruder
Gottfried und sie jubelten ihm als ihren Herzog zu. Als sie sich dann aber
umblickten, war Lohengrin verschwunden.

nach dem Theaterstück, welches der Trupp 1994 aufführte.
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